Recon Astrophotography
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Von 30 auf 180 Sekunden: Was Guiding verändert hat

Dieser Artikel beschreibt den Weg von kurzen Aufnahmen mit der Nikon D3400 zu stabilen Belichtungen von 180 Sekunden nach dem Einrichten des Guidings. Dadurch sammelt das Setup pro Aufnahme mehr Signal und ermöglicht deutlich längere Deep-Sky-Sessions.

Weitfeldaufnahme des Lagunennebels M8 und des Trifidnebels M20 im dichten Sternfeld des Schützen

Einleitung

Die praktische Grenze meines Deep-Sky-Setups lag lange Zeit weder beim Teleskop noch bei der Kamera, sondern bei der Nachführung. Der Sky-Watcher Evostar 72ED DS Pro mit 72 mm Öffnung und 420 mm Brennweite lieferte zusammen mit der Nikon D3400 bereits ein passendes Bildfeld. Die Explore Scientific iEXOS-100 PMC-Eight konnte dem Himmel folgen, doch ohne separates Guiding mussten die einzelnen Belichtungen kurz bleiben.

Durch das Guiding wurde daraus kein völlig neues Instrument. Evostar, Nikon und Montierung blieben das Zentrum des Aufbaus. Verändert hat sich die Zeit, in der der Verschluss geöffnet bleiben konnte, ohne dass die Sterne außer Kontrolle gerieten. Der Schritt von ungefähr 20–30 Sekunden zu stabilen 120 und 180 Sekunden beeinflusste nicht nur ein einzelnes Rohbild, sondern die Planung einer ganzen Nacht.

Vor dem Guiding

Vor dem Einsatz der Guiding-Kamera waren Belichtungen von etwa 20 bis 30 Sekunden üblich. Um mit der Nikon D3400 in dieser kurzen Zeit genügend Signal aufzunehmen, nutzte ich unter anderem ISO 800–1600. Diese Arbeitsweise war sinnvoll: Ich konnte die Montierung, das Framing und den grundlegenden Aufnahmeablauf kennenlernen, ohne gleichzeitig ein zweites optisches System und einen weiteren Software-Regelkreis zu beherrschen.

Bei lichtschwachen Deep-Sky-Objekten wurde die Grenze jedoch deutlich. Auch eine kurze Belichtung enthält verwertbare Informationen und viele kurze Bilder lassen sich stacken. Trotzdem beginnt jedes Einzelbild nur mit dem Licht, das in diesen wenigen Sekunden gesammelt wurde. Für längere Gesamtzeiten entstanden außerdem sehr viele Dateien. Die Montierung führte zwar nach, korrigierte kleine Nachführfehler während einer laufenden Belichtung aber noch nicht aktiv.

Aufbau des Guiding-Systems

Für das Guiding kamen zwei Komponenten hinzu: eine ZWO ASI120MM als Guiding-Kamera und ein SVBONY SV165 mit 30 mm Öffnung und 120 mm Brennweite als Guiding-Sucher. Der kleine Sucher beobachtet unabhängig vom Evostar einen Stern, während die ASI120MM fortlaufend Bilder an die Guiding-Software liefert.

PHD2 misst über die Ekos-Umgebung die Bewegung des Leitsterns und sendet Korrekturen an die Montierung. Die Nikon D3400 bleibt dabei die Hauptkamera. Die ASI120MM erzeugt nicht das fertige Astrofoto, sondern liefert während der Aufnahme die Rückmeldung für die Nachführung. Entscheidend war, diese Kette zuverlässig zum Laufen zu bringen, nicht einen spektakulären, aber unbestätigten Wert in einer Kurve zu erreichen.

Die ersten langen Belichtungen

Sobald das Guiding stabil arbeitete, wurden zunächst 120 Sekunden und danach 180 Sekunden zu realistischen Belichtungszeiten. Der Unterschied war unmittelbar praktisch: Die Aufnahme endete nicht mehr nach einer halben Minute, sondern das Setup konnte drei Minuten lang Licht sammeln. Bei diesen längeren Belichtungen nutzte ich je nach Session unter anderem ISO 400–800.

Wichtig ist dabei die Wiederholbarkeit. Eine einzelne lange Belichtung ist noch kein vollständiges Ergebnis. Der eigentliche Fortschritt bestand darin, die 180 Sekunden in einer Sequenz mehrfach hintereinander aufnehmen zu können. Damit wurde diese Zeit zu einer brauchbaren Einstellung und blieb nicht nur ein gelegentlicher Test.

Was sich tatsächlich geändert hat

Die größte Veränderung war die Signalmenge in einer einzelnen Aufnahme. Eine Belichtung von 180 Sekunden sammelt sechsmal so lange Licht wie eine Aufnahme von 30 Sekunden. Das ersetzt weder das Stacken noch eine sorgfältige Bearbeitung oder genügend Gesamtintegrationszeit. Jedes Einzelbild startet aber mit einer deutlich tieferen Datengrundlage.

Auch der Maßstab einer Session änderte sich. Wiederholbare längere Belichtungen machten umfangreichere Deep-Sky-Datensätze möglich, ohne ausschließlich auf Hunderte sehr kurze Bilder angewiesen zu sein. Der Ablauf und die Montierung mussten weiterhin kontrolliert werden, doch ein größerer Teil der Nacht konnte nun für das Sammeln verwertbaren Lichts genutzt werden.

M8 und M20 als Praxistest

Das gemeinsame Bildfeld von M8, dem Lagunennebel, und M20, dem Trifidnebel, wurde zu einem praktischen Test für diesen Aufbau. Evostar und Nikon erfassen beide Nebel vor dem dichten Sternfeld des Schützen. Ein Teil der Session bestand aus ungefähr 40 Aufnahmen mit jeweils 180 Sekunden bei ISO 400.

Diese Sequenz entspricht etwa zwei Stunden lang belichteter Daten. Wichtiger war das Zusammenspiel der gesamten Kette: Die iEXOS-100 trug das Aufnahmesystem, ASI120MM und SV165 beobachteten den Leitstern, PHD2 und Ekos regelten die Korrekturen und die Nikon zeichnete die Hauptbilder auf. Das M8/M20-Bild ist damit ein direkter Beleg für die hier beschriebene technische Entwicklung und nicht nur eine dekorative Illustration.

Was Guiding nicht korrigiert

Guiding ersetzt weder den korrekten Aufbau der Montierung noch ein sauberes Polar Alignment. Ist die Montierung schlecht vorbereitet, muss das Guiding gegen ein Problem arbeiten, das bereits vor Beginn der Aufnahme hätte reduziert werden sollen. Es kann die Nachführung während einer Belichtung korrigieren, aber nicht jeden grundlegenden Fehler des Setups verschwinden lassen.

Auch garantiert Guiding nicht, dass jedes Bild verwendbar ist. Für mich wurde es zu einem Teil des gesamten Aufnahmesystems – neben dem mechanischen Aufbau, der Polausrichtung, den Kameraeinstellungen und dem späteren Stacken. Einen nicht belegten RMS-Wert brauche ich nicht, um den Fortschritt zu beurteilen: Die wiederholbaren Aufnahmen mit 120 und 180 Sekunden sind der praktische Nachweis.

Nächste Schritte

Als Nächstes geht es stärker um Zuverlässigkeit als um noch längere Einzelbelichtungen. Stabile 180 Sekunden ermöglichen mit dem vorhandenen Teleskop und der Nikon bereits deutlich tiefere Sessions. Das sinnvolle Ziel ist nun, dieses Verhalten über weitere Nächte und Motive hinweg zu wiederholen und gleichzeitig den Aufbau zu verbessern, von dem das Guiding weiterhin abhängt.

Der Weg von 30 auf 180 Sekunden war keine Abkürzung an den Grundlagen vorbei. Er markierte den Moment, in dem die einzelnen Teile des Recon-Setups als geregeltes System zusammenarbeiteten. Dadurch wurde jede Belichtung ergiebiger und ein langfristiger Aufbau umfangreicher Deep-Sky-Projekte realistisch.